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Inklusive Berufsorientierung, Schulsanitätsdienst und Lernen lernen

„Inklusive Berufsorientierung“ - Berufsorientierung mit Inklusion? 

Inklusive Berufsorientierung Wortwolke
 


Was ist Berufsorientierung? 

Wird der Begriff Berufsorientierung erwähnt, dann ist die Rede von schulischer Berufswahlorientierung oder schulischer Berufswahlvorbereitung.
Abzugrenzen sind diese beiden Begriffe und die mit ihnen einhergehenden Ziele sowie Maßnahmen von der
Berufsvorbereitung. Denn die Berufsvorbereitung hat das Vermitteln berufsbezogener Kompetenzen zum Ziel und findet nicht an allgemein bildenden Schulen, sondern an beruflichen Schulen statt. Soll der Beitrag allgemein bildender Schulen am Anbahnen von Ausbildungs- und Berufswahlreife betont werden, kann hingegen der Begriff der allgemeinen Berufsvorbereitung bemüht werden.
Berufsorientierung als Bildungsaufgabe lässt sich anhand einiger Merkmale charakterisieren:

  • Berufsorientierung ist ein Vorgang von längerer Dauer,
  • der auf Grundlage eines Abgleichs von personenbezogenen Faktoren (Interessen, Fähigkeiten etc.) mit umweltbezogenen Faktoren (Anforderungen und Angebot des Arbeitsmarkts) zu einer Berufswahl-Entscheidung führt
  • und sein Hauptaugenmerk auf die Erstausbildung oder das Erststudium legt,
  • aber auch Anpassungsprozesse im Verlauf einer Berufsbiografie berücksichtigen kann.

Vgl. Köck (2018): Basisqualifikationen Berufsorientierung und -beratung. Ein Lehr- und Übungsbuch für Akteure am Übergang Schule - Beruf. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, 235 ff.


Was ist Inklusion?

Im Sinne der Inklusion soll die allgemeine Schule zum Lernort sämtlicher Schüler:innen werden, damit es zu keiner Separation benachteiligter oder beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher kommt. Die Inklusion macht sich hierbei nicht den Ansatz der Integration zu eigen, demzufolge unverbundene Teile zu einer Einheit zusammengefügt werden sollen. Denn Inklusion geht davon aus, dass die vorhandenen Teile bereits ein Ganzes bilden und in diesem vorhanden sind. 

Deutschland verpflichtete sich mit der Unterzeichnung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (Vereinte Nationen 2006) im Jahre 2008 zu der Förderung einer inklusiven Bildung, im Zuge derer Förderschulen zwar nicht abgeschafft werden sollen, aber auch nicht ausdrücklich als notwendige Einrichtungen einer inklusiven Bildungslandschaft genannt werden. 

Vgl. Wember/Stein/Heimlich (Hgg.) (2014): Handlexikon Lernschwierigkeiten und Verhaltensstörungen. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, S. 256 ff. 


Was ist "inklusive Berufsorientierung"? - ein Arbeitsbegriff 

Der Ausgangspunkt der Unterrichtsidee zur inklusiven Berufsorientierung war die Berufsorientierung an einer allgemeinen Schule in sozialer Brennpunktlage, die um relevante Aspekte für die Arbeit an einer Förderschule des Förderschwerpunkts Lernen erweitert wurde. Die Unterrichtsidee versteht sich im Sinne der oben dargelegten Definition ausdrücklich als inklusiv und möchte diesem Umstand in vielerlei Hinsicht auf Grundlage evidenzbasierter Methoden Rechnung tragen. Die Unterrichtsidee zur inklusiven Berufsorientierung ist

  • milieusensibel, weil sie Schüler:innen mit ansprechenden Materialien motivieren möchte. Dieser Tatsache kommt für das Anbahnen gelingender Lernprozesse bei benachteiligten oder beeinträchtigten Schüler:innen eine große Bedeutung zu. So nehmen Krowatschek, Krowatschek und Wingert in der Begründung ihres Marburger Konzentrationstrainings für Jugendliche Bezug auf Randy Sprick, der für Motivation in Lernprozessen eine einfache Formel aufstellt. Wenn Schüler:innen eine Aufgabe als relevant bewerten und die Bearbeitung der Aufgabe Erfolg versprechend erscheint, kann Motivation entstehen. Die ansprechende Aufmachung mit Bildern der Lebenshilfe Bremen e. V. soll eine positive Bewertung durch die Schüler:innen begünstigen. Damit die Bearbeitung der Materialien als Erfolg versprechend bewertet wird, bedient sich die Unterrichtsidee der Leichten Sprache, auf die der nächste Punkt näher eingeht. 
  • verständlich, weil nur verständliche Materialien Lernprozesse anstoßen sowie begleiten und Spricks Motivationsformel durch Erfolg versprechende Aufgaben positiv beeinflussen können. Die Materialien sind fast ausschließlich in Leichter Sprache verfasst, damit allen Schüler:innen eine Auseinandersetzung mit den einzelnen Aspekten der Berufsorientierung möglich ist, zum Beispiel die Berufsbeschreibungen. Begleitend zu dem Konzept der Leichten Sprache berücksichtigt die Unterrichtsidee den Ansatz des sprachsensiblen Fachunterricht (nach Josef Leisen). Die sprachsensible Ausrichtung möchte Schüler:innen sprachfähig machen, indem relevanter Wortschatz und Redemittel gelehrt und Formulierungshilfen angeboten werden, zum Beispiel für das Verfassen von Anschreiben oder das Führen von Telefongesprächen.
  • Diagnose geleitet, weil nur ein Abgleich individueller Interessen und Fähigkeiten auf der einen Seite mit den Anforderungen etwaiger Ausbildungsberufe auf der anderen Seite langfristige Erfolge versprechen können. Nicht nur im Hinblick auf benachteiligte oder beeinträchtigte Jugendliche ist eine Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen und ein Herausfinden eigener Fähigkeiten essentiell für eine Verortung auf dem Arbeitsmarkt und ein Formulieren von (Lebens-)Zielen. Im Sinne des inklusiven Charakters der Unterrichtsidee werden verschiedene Selbsterkundungswerkzeuge vorgestellt, die von der Förderschule bis zur Realschule zum Einsatz kommen können. 
  • schulisch verortet, weil die Schule nach Christine Einhellinger eine wichtige und allen zugängliche Institution ist. Da Berufsorientierung überdies fester Bestandteil von Lehrplänen und Curricula ist und alle erreichen soll, bedarf es eines durchdachten Konzepts mit praxistauglichen Materialien nebst Hintergrundinformationen für Lehrkräfte und sonstige Akteur:innen der Berufsorientierung. 
  • umfassend, weil nicht nur alle Schüler:innen als Adressat:innen gelten können, sondern der Berufsorientierungsprozess in seiner Gesamtheit abgebildet wird. Diesbezüglich geht es nicht um ein Abarbeiten der angebotenen Materialien, sondern um ein auf die Lerngruppe bezogenes Auswählen oder Gewichten einzelner Aspekte, das die Lernausgangslage der Schüler:innen berücksichtigt und nächste Schritte antizipiert. Die Unterrichtsidee soll im Sinne des oben angeführten Inklusionsverständnisses und wegen der Unterrichtswirklichkeit an weiterführenden Schulen keine Sonderform der Berufsorientierung darstellen. Inklusive Berufsorientierung soll vielmehr als Adaption bewährter Inhalte sowie Methoden und als neuer Normalfall pädagogischen Handelns verstanden werden. 
  • ganzheitlich zu gestalten, weil inklusive Berufsorientierung inklusiv wird, wenn man die Schüler:innen mit allen Sinnen und ganzem Sein Erfahrungen in Arbeits- und Leistungssituationen machen lässt. Projekte können hier ihren Beitrag leisten. Aber vor allem Arbeitsgemeinschaften (AG) tragen ein großes pädagogisches Potenzial in sich. Denn erst die eigenaktive Wahl einer AG erzeugt für Schüler:innen zahlreiche Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten bei den überfachlichen Kompetenzen, ermöglicht das Entstehen eines Zugehörigkeitsgefühls, macht die Übernahme von Verantwortung notwendig, lässt Selbstwirksamkeit erlebbar werden und vermittelt Hand-on-Erfahrungen. Deshalb begeistere ich mich auch für das Leiten einer Schulsanitäts-AG
  • kooperativ zu verstehen, weil Berufsorientierung ohne Bildungspartner kaum und inklusive Berufsorientierung überhaupt nicht denkbar ist. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die regionale Bildungslandschaft zu kartieren, Verbündete zu finden und Partnerschaften einzugehen

Auf Hurraki ist eine Erklärung für den Arbeitsbegriff "inklusive Berufsorientierung" in Leichter Sprache nachzulesen.

Auf den Wiki-Seiten des Instituts für Ökonomie an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe ist ein ausführlicher Unterrichtsentwurf verfügbar, der sich der Materialien der Unterrichtsidee zur inklusiven Berufsorientierung bedient und für ein inklusives Setting den Verlauf einer Unterrichtssequenz darlegt sowie begründet.

Inklusive Berufsorientierung - die Unterrichtsidee: das Factsheet legt die Alleinstellungsmerkmale dar


 

Inklusive Berufsorientierung-Fortbildungen 


Inklusive Berufsorientierung an Sek I-Schulen - (k)ein Sonderfall?

Am Donnerstag, den 11. Mai 2023 habe ich einen Workshop mit dem Titel „Inklusive Berufsorientierung an Sek I-Schulen - (k)ein Sonderfall?“ geleitet. Der Workshop fand anlässlich des Netzwerktreffens 2023 der Strahlemann-Stiftung in den Räumen der IHK Darmstadt statt.

Sabine van Recum von der Strahlemann-Stiftung begleitete den ersten von zwei Workshop-Durchgängen und dokumentierte das Wesentliche anschaulich (siehe Bild).

Mein herzlicher Dank gilt den Teilnehmer:innen meiner Workshops, den Mitarbeiter:innen der Strahlemann-Stiftung und den Mitarbeiter:innen der Beruflichen Orientierung Hessen bei der IHK Darmstadt. 


Dokumentation der Workshop-Inhalte Wesentliches aus meinem Workshop zur inklusiven Berufsorientierung


Bilder in der Unterrichtsidee
Die Nutzungsrechte für die verwendeten Bilder müssen bei der Lebenshilfe Bremen e. V. erworben werden.
© Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013
Materialien: Erstellt mit dem Worksheet Crafter - www.worksheetcrafter.com und LibreOffice - https://de.libreoffice.org/


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Überblick zur inklusiven Berufsorientierung


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